Zwiebeln – gesät oder gesteckt: vielschichtig und würzig

04.10.2022Pflanzensteckbriefe

Die Zwiebel ist eine der meist verwendeten Gemüsearten in unseren Küchen. Ihre süßlich-scharfe Würzigkeit ist aus vielen Gerichten nicht wegzudenken. Der so typische Geschmack stammt von einer Mischung aus ätherischen Ölen, Schwefelverbindungen, Fruchtsäuren und einem hohen Zuckergehalt.

Ursprünglich aus Westasien stammend wird die Zwiebel schon seit mehr als 5000 Jahren kultiviert und ist auch heutzutage eine beliebte Kultur im Gemüsegarten. Meist wird sie als Steckzwiebel gepflanzt. Diese werden von speziellen Betrieben ausgesät und als Mini-Zwiebeln geerntet. Die Verwendung von Steckzwiebeln erspart die langwierigere Voranzucht. Außerdem können die Zwiebeln so gleich im richtigen Abstand gepflanzt und circa 2-3 Wochen früher geerntet werden. Einige winterharte Sorten können im Herbst gesteckt werden und sind dann noch ein paar Wochen früher reif.

Zwiebeln können aber auch gesät werden, entweder direkt ins Freiland oder zunächst zur Voranzucht in Töpfchen. Dafür steht eine größere Auswahl an Sorten zur Verfügung und das Saatgut ist günstiger als Steckzwiebeln. Gesäte Zwiebeln bleiben oft kleiner, sind aber besser langerfähig, weil sie eine festere Schale ausbilden. 

Zwiebeln brauchen viel Sonne und trockene Witterung, um gut zu gedeihen. In Jahren, in denen es viel regnet, sind Zwiebeln anfällig für Krankheiten. In einem guten Zwiebeljahr fällt bis zur Ausbildung der Knolle ausreichend Niederschlag, anschließend bleibt es trocken und heiß. Zwiebeln bevorzugen mittelschweren, humus- und nährstoffreichen Boden, der gut Wasser speichern kann. Leichte Sandböden oder schwere Tonböden mögen sie eher weniger. Besonders gut eignen sich windoffene Lagen, damit das Laub nach Tau oder Regen schnell abtrocknen kann. Zur Beetvorbereitung den Boden am besten schon einige Wochen vorher tief lockern und verrotteten Kompost unterarbeiten. Vor dem Pflanzen oder Säen dann nur noch oberflächig und feinkrümlig lockern.

Pflanzen von Steckzwiebeln

  • Frühjahrssteckzwiebeln werden ab Anfang März bis Ende April gesteckt, wenn keine starken Fröste mehr zu erwarten sind. Wintersteckzwiebeln werden ab Anfang September bis Ende Oktober gepflanzt. Vor dem Wintereinbruch sollten die Pflanzen circa bleistiftdick werden.
  • Steckzwiebeln werden so tief in die Erde gesteckt, dass die Spitze gerade noch leicht herausragt.  
  • Der Pflanzabstand in der Reihe beträgt 10-15 cm. Haben die Zwiebelpflanzen zu wenig Platz, können sie keine großen Zwiebeln ausbilden. Zwischen den Reihen einen Abstand von 25-30 cm lassen.

Tipp

Unser Sortiment umfasst verschiedene Größen von Steckzwiebeln. Die Größe der Steckzwiebel hat keinen Einfluss auf die Erntegröße der ausgewachsenen Zwiebel. Da größere Steckzwiebeln aber eher dazu neigen zu schießen, werden sie im Erwerbsgartenbau vorrangig für die Bundzwiebelernte (Frühlingszwiebeln) angebaut.

Aussaat von Zwiebeln

  • Zwiebeln sollten so früh wie möglich gesät werden, da sie eine lange Entwicklungszeit haben. Sie können ab Anfang März, sobald sich der Boden etwas erwärmt hat, aber noch leicht winterfeucht ist, direkt ins Freiland gesät werden. Die Samen keimen bereits ab 2° C.
  • Die Saattiefe beträgt 2-2,5 cm.
  • Da sie anfänglich sehr langsam wachsen, werden die jungen Zwiebeltriebe schnell von Beikräutern überwuchert. Daher sollte unbedingt ein möglichst unkrautfreies Beet gewählt werden und regelmäßig sehr vorsichtig gejätet werden.
  • Später sollten Zwiebeln auf einen Abstand von 4-5 cm vereinzelt werden.
  • Wir empfehlen alternativ, Zwiebeln vorzuziehen und später auszupflanzen, wenn sie schon etwas größer sind. Dies lohnt sich auch besonders bei Böden, die im Frühjahr nur langsam abtrocknen.
  • Die Voranzucht erfolgt Mitte April für die Pflanzung Mitte Mai nach den Eisheiligen. Dazu 3-5 Samen in ein Töpfchen legen.
  • Die optimale Keimtemperatur liegt zwischen 15 und 20 °C. Nach dem Keimen die Pflänzchen an einen kühleren, aber sehr hellen Ort stellen.
  • Zwiebeln werden nicht pikiert, da die Jungpflanzen sehr empfindlich sind.

Tipp

Da Zwiebeln eine lange Keimdauer haben, bietet es sich an, das Saatgut bei der Direktsaat mit den deutlich schneller keimenden Radieschen zu mischen, um die Saatreihe zu markieren. 

Pflanzen von Jungpflanzen

  • Die im Topf vorgezogenen Jungpflanzen können ab Mitte Mai, wenn keine Frostgefahr mehr besteht, als Gruppe ins Freiland gepflanzt werden.
  • Besonders wichtig ist, die Pflanzen nicht zu tief setzen, da sie sonst keine schönen Zwiebeln ausbilden können. Nur die Wurzeln sollten von der Erde bedeckt sein.
  • Als Pflanzabstände zwischen den Grüppchen 10-15 cm und zur nächsten Reihe 25-30 cm einhalten.

Fruchtfolge und Mischkultur

  • Zu anderen Zwiebelgewächsen sollte eine Anbaupause von 4 Jahren eingehalten werden, bei Krankheitsbefall (siehe unten) vorbeugend 6 Jahre.
  • Als Vorkultur eignen sich Pflanzen, die das Beet möglichst unkrautarm und gelockert hinterlassen. Zum Beispiel bieten sich eine abfrierende Gründüngung für Frühjahrszwiebeln oder Kartoffeln für Wintersteckzwiebeln an. Hülsenfrüchte sind schlechte Vorkulturen, da sie zu viel Stickstoff im Boden anreichern.  
  • Klassische Mischkulturpartner für Zwiebeln sind Möhren, Pastinaken, Rote Bete und Salat.

Kulturführung

  • Ist es im Frühjahr und Frühsommer recht trocken, ist bis zur Ausbildung der Zwiebel eine zusätzliche Bewässerung nötig. Wassermangel führt zu eher kleinen Zwiebeln, da Stockungen im Wachstum später nicht mehr ausgeglichen werden können. Allerdings sollte mäßig und am besten vormittags gegossen werden, damit die Pflanzen über Tag abtrocknen können. Dies beugt einen Befall mit falschem Mehltau vor. Sobald die Schlotten, also die Blätter, abgeknickt sind und/oder zwei Wochen vor der geplanten Ernte nicht mehr bewässern.
  • Zur Pflege der Zwiebelkultur den Boden rundherum regelmäßig vorsichtig hacken, um ihn locker zu halten. Dadurch verdunstet weniger Wasser und unerwünschte Beikräuter werden in Schach gehalten. Bei gesäten Zwiebeln ist dies besonders wichtig, da sie anfangs nur langsam wachsen und sich daher nicht gegen Beikräuter durchsetzen können. Hierbei besondere Vorsicht walten lassen, um die feinen Pflänzchen nicht aus der Erde zu ziehen
  • Zwiebeln sind Schwach- bis Mittelzehrer. Eine zusätzliche Düngung ist daher nur auf leichten oder nährstoffarmen Böden nötig. Ist zu viel Stickstoff verfügbar, bleiben die Zwiebeln klein und bilden einen dicken Hals. Sie lassen sich dann nicht gut lagern.

Häufige Probleme und Lösungsansätze

  • Es wird zunehmend berichtet, dass es in den letzten Jahren schwieriger geworden ist, Zwiebeln zu kultivieren, weil vermehrt Krankheiten auftreten. Um den Krankheitsdruck durch Pilzkrankheiten (Fusarium oxyspoum und falscher Mehltau) zu mindern, werden unsere Steckzwiebeln gemäß den Richtlinien im ökologischen Landbau drei Tage lang mit Warmluft im Temperaturbereich von 40 °C bis 42 °C belüftet. Zusätzlich werden sie vor dem Versand in unserer Diagnostik auf ihre Gesundheit überprüft. Allerdings können Pilze und Bakterien auch im Boden überdauern und so übertragen werden.
  • Am häufigsten tritt bei Zwiebeln der Falsche Mehltau auf, ein Pilz, der sich durch helle, ovale Flecken auf den Röhren und später einem grau-violetten Belag zeigt. Er breitet sich erst ab Temperaturen von 13-20 °C aus, besonders nach Nächten mit hoher Luftfeuchtigkeit. Zur Vorbeugung können Zwiebeln in windoffenen Lagen angebaut und von Unkraut freigehalten werden. Zudem sollte nur am Vormittag gegossen werden. Außerdem kann mit Ackerschachtelhalm und anderen Pflanzenstärkungsmitteln gespritzt werden.
  • Auch die Zwiebelbasalfäule kann zum Problem werden. Tritt sie auf, bleiben die Zwiebeln klein und lassen sich leicht aus der Erde ziehen, weil sie ein schlechtes Wurzelwerk haben. Die Blattspitzen vergilben. Befallene Zwiebeln faulen im Lager weiter. Eine warme und trockene Witterung begünstigt die Verbreitung der Zwiebelbasalfäule.
  • Als Schädlinge können die Zwiebelfliege und die Lauchminierfliege großen Schaden anrichten. Ihre Maden fressen Gänge durch das Gewebe der Blätter bis in die Zwiebel. Die Zwiebel wird dann anfällig für Fäulnis oder verwelkt. Vorbeugend schützt eine Abdeckung mit Kulturschutznetzen und je nach Populationsgröße auch eine Mischkultur mit Möhren. Zudem sollte unbedingt die empfohlene Anbaupause von 4 Jahren eingehalten und kein frischer Kompost verteilt werden.   
  • Neben Krankheiten und Schädlingen können auch andere Stressfaktoren zu einem verminderten Ernteertrag führen. Gelbe Spitzen zeigen sich als Stressreaktion auf Trockenheit oder einen Wurzelschaden. Dicke Hälse der Zwiebeln weisen auf eine zu späte Aussaat oder zu starke Beregnung hin.

Ernte

  • Wintersteckzwiebeln können ab Anfang Juni, im Frühjahr gesteckte Zwiebeln im Juli/August geerntet werden. Gesäte Zwiebeln sind ab Anfang August erntereif.
  • Geerntet wird an sonnigen trocknen Tagen. Der ideale Zeitpunkt ist, wenn mindestens die Hälfte bis Zweidrittel der Zwiebelschlotten geknickt sind. Nach der Ernte die Zwiebeln ein paar Tage in der Sonne liegen lassen, bis sie getrocknet sind. Sollte es regnen, diese in einem gut belüfteten Raum nachtrocknen. Anschließend anhaftende Erdreste entfernen.
  • Zur Lagerung die Zwiebeln in flache Kisten legen oder in Zwiebelsäcke füllen. Mit etwas Geschick können Zwiebeln mit langen Schlotten auch in Zöpfe geflochten und aufgehängt werden. Anschließend in einem dunklen, luftigen und trockenen Raum verstauen. Die optimale Lagertemperatur beträgt 1-3 °C. Ist es nicht wärmer als 10 °C, dann bleiben die Zwiebeln in der Regel bis zum nächsten Frühjahr haltbar.  

Tipp

Wintersteckzwiebeln lassen sich nur kurzzeitig lagern, überbrücken aber gut die zwiebellose Zeit bis zur Ente der im Frühjahr gesteckten Zwiebeln im Juli/August.

Sortenempfehlungen

  • Als Frühjahrssteckzwiebel empfehlen wir Stuttgarter Riesen, eine frühe bis mittelfrühe, flachrunde, gelbe Lagerzwiebel mit sehr guter Haltbarkeit und feinem Geschmack.
  • Für die Pflanzung im Herbst bieten wir die Wintersteckzwiebel Shakespeare an. Sie hat eine feste Schale und liefert hohen Ertrag.
  • Zum Säen empfehlen wir die dunkelrote, mittelfrühe Sorte Robelja mit runder bis flachrunder Form. Sie ist sehr ertragreich, gesund und für die mittellange Lagerung geeignet.


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