Grünkohl - Gesundes Gemüse für den Winter

21.10.2025Pflanzensteckbriefe

Vor allem in Norddeutschland als herzhaftes Traditionsgemüse bekannt, erfreut sich Grünkohl in den letzten Jahren einer neuen Beliebtheit. In einer Zeit, in der es nur wenig Frisches aus dem Garten gibt, liefert er uns wertvolle Vitamine und Mineralstoffe, um mit gestärktem Immunsystem über den Winter zu kommen. Durch seinen hohen Anteil an pflanzlichem Eiweiß eignet er sich auch bestens zur Ergänzung einer veganen Ernährung.

Im Anbau ist diese schnellwüchsige Blattkohlart unkompliziert und weniger anspruchsvoll als andere Kohlarten. Durch seine Frosthärte ist der Anbau von Grünkohl auch in rauerem Klima möglich.  

Grünkohl aussäen

  • Grünkohl wird von Anfang Mai bis Mitte Juni gesät. Er wird gewöhnlich in Aussaatschalen oder Töpfen vorgezogen.
  • Die Saattiefe beträgt ca. 1 cm.
  • Die optimale Keimtemperatur liegt bei 15-20 °C.
  • Noch im Keimblattstadium werden die Pflänzchen anschließend pikiert. Tipps zum Pikieren finden Sie hier.

Grünkohl pflanzen

  • Die Vorkultur dauert ca. 6 Wochen, bis maximal vier Laubblätter gewachsen sind, sodass die Jungpflanzen Anfang Juni bis Mitte Juli ins Beet gesetzt werden können.
  • Vor dem Pflanzen sollten die Grünkohle an die Bedingungen im Freien gewöhnt und mehrere Tage tagsüber nach draußen gestellt werden.  
  • Der Pflanzabstand zwischen den einzelnen Pflanzen sollte ca. 50 cm betragen. Werden mehrere Reihen angepflanzt, empfiehlt sich, dazwischen ca. 75 cm Platz zu lassen.
  • Grünkohl bevorzugt einen humosen und nährstoffreichen Boden an einem sonnigen bis halbschattigen Standort.
  • Da Grünkohl ein Starkzehrer ist, sollte der Boden vor der Pflanzung großzügig mit reifem Kompost angereichert werden.

Tipp

Der dekorative Grünkohl kann auch ohne Probleme in Kübeln oder Pflanzsäcken angebaut werden. Die Pflanzgefäße sollten allerdings mindestens 10 l pro Pflanze fassen.  

Fruchtfolge und Mischkultur für Grünkohl

  • Kohlgewächse sollte frühestens nach drei Jahren wieder auf demselben Beet angepflanzt werden. Sind Krankheiten aufgetreten, die im Boden überdauern können, besser eine Anbaupause von 5-6 Jahren einhalten.  
  • Da Grünkohl erst später im Sommer gepflanzt wird, eignet er sich gut als Nachkultur z. B. nach Kopfsalat, Spinat oder Radieschen. Als Starkzehrer profitiert er besonders von Hülsenfrüchten wie Bohnen oder Erbsen (auch Gründüngungen) als Vorkultur. Schlechte Vorfrüchte sind andere Kohlgewächse oder Gelbsenf, da alle zur Familie der Kreuzblütler gehören.  
  • Gute Mischkulturpartner für Grünkohl sind Spinat, Salat, Rote Bete oder Sellerie.

Kulturführung des Grünkohls

  • Die Kultur von Grünkohlpflanzen unterscheidet sich im Grunde nicht von anderen Kohlarten. Für eine gute Entwicklung ist es wichtig, eine ausreichende und gleichmäßige Wasserversorgung sowie eine gute Verfügbarkeit von Nährstoffen sicherzustellen. Vor der Hauptwachstumsphase daher noch einmal zusätzlich mit Pflanzenjauche düngen.
  • Zur Pflege sollte der Boden regelmäßig gehackt werden, um ihn zu lockern und rund um die Pflanzen gemulcht werden. Um die Standfestigkeit der Pflanzen zu verbessern, können die Stiele angehäufelt werden.
  • Es wird empfohlen, Grünkohl unter feinmaschigen Netzen anzubauen, die vor Kohlfliege, Kohlweißling und anderen Schädlingen schützen.
  • In rauen Lagen kann der Kohl über den Winter mit einem Vlies vor Kahlfrösten oder eisigem Wind geschützt werden.

Häufige Probleme und Lösungsansätze beim Grünkohl-Anbau

  • Kohlpflanzen sind in unseren Breiten relativ anfällig für Krankheiten und Schädlinge. Auch wenn Grünkohl allgemein robuster ist als seine Artgenossen, sollte er zumindest regelmäßig auf Schädlinge kontrolliert werden.
  • Der häufigste Schädling ist die Kohlfliege (auch weiße Fliege). Sie legt ihre Eier an den Hals der Jungpflanzenwurzeln. Die wenige Tage später schlüpfenden Maden ernähren sich von den Wurzeln und können die Kohlpflanzen so sehr schädigen, dass sie welken und absterben. Zur Vorbeugung sollte kein frischer Mist ausgebracht, die Fruchtfolge eingehalten und die Jungpflanzen, auch wenn sie sich noch im Topf befinden, mit einem feinen Kulturschutznetz abgedeckt werden. Zudem kann nach der Pflanzung angehäufelt werden, damit die Fliegen keine Eier an die Wurzeln legen können.
  • Die Raupen des kleinen und großen Kohlweißlings können einen enormen Fraßschaden an den Blättern anrichten. Auch vor ihnen schützen Kulturschutznetze. Diese müssen an den Seiten gut befestigt werden, damit sie möglichst dicht sind. Trotzdem sollte regelmäßig unter den Netzen kontrolliert werden, ob sich nicht doch schon über Eier auf den Jungpflanzen Raupen eingeschlichen haben. Die Raupen müssen dann abgesammelt werden.

Grünkohl ernten

  • Grünkohl kann ab Anfang Oktober bis ins Frühjahr hinein geerntet werden. Die vorherrschende Annahme ist, dass er erst nach dem ersten Frost so richtig gut schmeckt. Neuere Forschungen haben allerdings gezeigt, dass eine längere Kälteperiode mit Temperaturen unter 7 °C wichtiger ist als Frost, da diese das Wachstum und dadurch den Abbau von Zucker in den Blättern verlangsamt, während gleichzeitig neue Zuckerstoffe gebildet werden. Das Aroma verbessert sich so zusehends, je länger die Kälteperiode andauert.
  • Geerntet werden die einzelnen Blätter nach Bedarf von unten nach oben.
  • Den Grünkohl am besten gleich frisch zubereiten. Dazu gut waschen, Stängel und Mittelgerippe entfernen und in Salzwasser blanchieren oder im Dampf dünsten. Junge Blätter können auch roh im Salat oder Smoothie verspeist werden. Im Kühlschrank bleibt Grünkohl nur wenige Tage frisch.

Sortenempfehlung Grünkohl für den Hobbygarten

Lerchenzungen

Für den Anbau im Hausgarten eignet sich die mittelhohe Sorte Lerchenzungen. Diese Norddeutsche Spezialität hat feingekrauste, schmale, etwas hängende Blätter und ist besonders lecker.

Zur Sorte Lerchenzungen

Fragen und Antworten rund um den Grünkohl-Anbau

  • Wann und wie wird Grünkohl gepflanzt?

    Für gewöhnlich erfolgt die Voranzucht von Anfang Mai bis Mitte Juni in Schalen oder Töpfe. Die Samen werden 1 cm tief gesät und keimen bei etwa 15–20 °C. Noch im Keimblattstadium werden sie pikiert. Sobald die Jungpflanzen maximal 4 Laubblätter haben (nach ca. 6 Wochen) werden sie zwischen Anfang Juni und Mitte Juli ins Beet gesetzt. 

  • Ist es möglich Grünkohl noch im August zu pflanzen?

    Es wird empfohlen, die Aussaat bis spätestens Mitte Juni abzuschließen. Eine Pflanzung im August ist für eine erfolgreiche Ernte zu spät sein.

  • Ist Grünkohl geeignet für ein Hochbeet?

    Grünkohl kann neben dem Hochbeet auch in Kübeln oder Pflanzsäcken angebaut werden. Die Pflanzgefäße sollten allerdings mindestens 10 l pro Pflanze fassen.

  • Wie lange wächst Grünkohl bis zur Ernte?

    Zwischen Aussaat und Auspflanzung vergehen etwa 6 Wochen. Die Erntesaison beginnt beim Grünkohl Anfang Oktober und geht bis ins Frühjahr hinein. Daraus ergibt sich eine Kulturdauer von insgesamt etwa 4 Monaten bis zur ersten Ernte.

  • Was sollte neben Grünkohl nicht gepflanzt werden?

    Nicht empfehlenswert sind:

    • Andere Kreuzblütler (Kohlarten) als Vor- oder Mischkultur,
    • Gelbsenf (ebenfalls Kreuzblütler, oft als Gründüngung genutzt).

    Kohlgewächse sollte frühestens nach drei Jahren wieder auf demselben Beet angepflanzt werden. Sind Krankheiten aufgetreten, die im Boden überdauern können, besser eine Anbaupause von 5-6 Jahren einhalten.  

    Gute Partner in der Mischkultur sind Spinat, Salat, Rote Bete, Sellerie und Hülsenfrüchte.

  • Was ist beim Düngen von Grünkohl zu beachten?

    Grünkohl ist ein Starkzehrer. Vor der Pflanzung sollte reichlich Kompost in den Boden eingearbeitet werden. Für eine gute Entwicklung ist es wichtig, eine ausreichende und gleichmäßige Wasserversorgung sowie eine gute Verfügbarkeit von Nährstoffen sicherzustellen. Vor der Hauptwachstumsphase daher noch einmal zusätzlich mit Pflanzenjauche düngen. 

  • Warum wächst mein Grünkohl so langsam?

    Zum einen haben Kohlgewächse eine vergleichsweise lange Kulturdauer und wachsen somit evtl. langsamer als andere Kulturen die zur gleichen Zeit gesät wurden. Zum anderen könnten ungleichmäßige Wasser- oder unzureichende Stickstoffversorgung mögliche Ursachen sein. 

  • Welche Schädlinge können beim Grünkohl-Anbau auftreten?

    Auch wenn Grünkohlpflanzen verglichen mit anderen Kohlarten etwas robuster gegenüber Schädlingen sind, sollten sie regelmäßig kontrolliert werden. Zwei der häufigsten Schädlinge und mögliche Maßnahmen dagegen sind:

    1. Die Kohlfliege (auch weiße Fliege) legt ihre Eier an den Hals der Wurzeln der Jungpflanzen ab und die schlüpfenden Maden schädigen die Wurzeln. Mögliche Maßnahmen: Verwendung von Kulturschutznetzen, Anhäufeln der Jungpflanzen, Anbaupause einhalten und nicht mit frischem Mist düngen.
    2. Der Kohlweißling, dessen Raupen sich von Blättern ernähren, vermehrt sich gerne auf Kohlgewächsen. Mögliche Maßnahmen: Kulturschutznetze, regelmäßiges Kontrollieren und ggf. Absammeln der Raupen.
  • Ist Grünkohl mehrjährig?

    Grünkohl gehört zu den Pflanzen, die im zweiten Jahr blühen, wird aber in der Regel einjährig kultiviert – also im selben Jahr ausgesät und geerntet.

  • Schmeckt Grünkohl wirklich besser nach dem ersten Frost?

    Die meisten Grünkohlsorten entwickeln ihr volles Aroma erst durch längere Kälteperioden. Entscheidend ist dabei weniger der erste Frost, sondern eine anhaltende Phase mit Temperaturen unter 7 °C. Diese verlangsamt das Wachstum, fördert die Zuckerbildung und macht den Geschmack milder und süßer.