Grünkohl – Gesundes Gemüse für den Winter

07.06.2022Pflanzensteckbriefe

Vor allem in Norddeutschland als herzhaftes Traditionsgemüse bekannt, erfreut sich Grünkohl in den letzten Jahren einer neuen Beliebtheit. In einer Zeit, in der es nur wenig Frisches aus dem Garten gibt, liefert er uns wertvolle Vitamine und Mineralstoffe, um mit gestärktem Immunsystem über den Winter zu kommen. Durch seinen hohen Anteil an pflanzlichem Eiweiß eignet er sich auch bestens zur Ergänzung einer veganen Ernährung.

Im Anbau ist diese schnellwüchsige Blattkohlart unkompliziert und weniger anspruchsvoll als andere Kohlarten. Durch seine Frosthärte ist der Anbau von Grünkohl auch in rauerem Klima möglich.  

Aussaat

  • Grünkohl wird von Anfang Mai bis Mitte Juni gesät. Er wird gewöhnlich in Aussaatschalen oder Töpfen vorgezogen.
  • Die Saattiefe beträgt ca. 1 cm.
  • Die optimale Keimtemperatur liegt bei 15-20 °C.
  • Noch im Keimblattstadium werden die Pflänzchen anschließend pikiert. Tipps zum Pikieren finden Sie hier.

Pflanzung

  • Die Vorkultur dauert ca. 6 Wochen, bis maximal vier Laubblätter gewachsen sind, sodass die Jungpflanzen Anfang Juni bis Mitte Juli ins Beet gesetzt werden können.
  • Vor dem Pflanzen sollten die Grünkohle an die Bedingungen im Freien gewöhnt und mehrere Tage tagsüber nach draußen gestellt werden.  
  • Der Pflanzabstand zwischen den einzelnen Pflanzen sollte ca. 50 cm betragen. Werden mehrere Reihen angepflanzt, empfiehlt sich, dazwischen ca. 75 cm Platz zu lassen.
  • Grünkohl bevorzugt einen humosen und nährstoffreichen Boden an einem sonnigen bis halbschattigen Standort.
  • Da Grünkohl ein Starkzehrer ist, sollte der Boden vor der Pflanzung großzügig mit reifem Kompost angereichert werden.

Tipp

Der dekorative Grünkohl kann auch ohne Probleme in Kübeln oder Pflanzsäcken angebaut werden. Die Pflanzgefäße sollten allerdings mindestens 10 l pro Pflanze fassen.  

Fruchtfolge und Mischkultur

  • Kohlgewächse sollte frühestens nach drei Jahren wieder auf demselben Beet angepflanzt werden. Sind Krankheiten aufgetreten, die im Boden überdauern können, besser eine Anbaupause von 5-6 Jahren einhalten.  
  • Da Grünkohl erst später im Sommer gepflanzt wird, eignet er sich gut als Nachkultur z. B. nach Kopfsalat, Spinat oder Radieschen. Als Starkzehrer profitiert er besonders von Hülsenfrüchten wie Bohnen oder Erbsen (auch Gründüngungen) als Vorkultur. Schlechte Vorfrüchte sind andere Kohlgewächse oder Gelbsenf, da alle zur Familie der Kreuzblütler gehören.  
  • Gute Mischkulturpartner für Grünkohl sind Spinat, Salat, Rote Bete oder Sellerie.

Kulturführung

  • Die Kultur von Grünkohlpflanzen unterscheidet sich im Grunde nicht von anderen Kohlarten. Für eine gute Entwicklung ist es wichtig, eine ausreichende und gleichmäßige Wasserversorgung sowie eine gute Verfügbarkeit von Nährstoffen sicherzustellen. Vor der Hauptwachstumsphase daher noch einmal zusätzlich mit Pflanzenjauche düngen.
  • Zur Pflege sollte der Boden regelmäßig gehackt werden, um ihn zu lockern und rund um die Pflanzen gemulcht werden. Um die Standfestigkeit der Pflanzen zu verbessern, können die Stiele angehäufelt werden.
  • Es wird empfohlen, Grünkohl unter feinmaschigen Netzen anzubauen, die vor Kohlfliege, Kohlweißling und anderen Schädlingen schützen.
  • In rauen Lagen kann der Kohl über den Winter mit einem Vlies vor Kahlfrösten oder eisigem Wind geschützt werden.

Häufige Probleme und Lösungsansätze

  • Kohlpflanzen sind in unseren Breiten relativ anfällig für Krankheiten und Schädlinge. Auch wenn Grünkohl allgemein robuster ist als seine Artgenossen, sollte er zumindest regelmäßig auf Schädlinge kontrolliert werden. 
  • Der häufigste Schädling ist die Kohlfliege (auch weiße Fliege). Sie legt ihre Eier an den Hals der Jungpflanzenwurzeln. Die wenige Tage später schlüpfenden Maden ernähren sich von den Wurzeln und können die Kohlpflanzen so sehr schädigen, dass sie welken und absterben. Zur Vorbeugung sollte kein frischer Mist ausgebracht, die Fruchtfolge eingehalten und die Jungpflanzen, auch wenn sie sich noch im Topf befinden, mit einem feinen Kulturschutznetz abgedeckt werden. Zudem kann nach der Pflanzung angehäufelt werden, damit die Fliegen keine Eier an die Wurzeln legen können.
  • Die Raupen des kleinen und großen Kohlweißlings können einen enormen Fraßschaden an den Blättern anrichten. Auch vor ihnen schützen Kulturschutznetze. Diese müssen an den Seiten gut befestigt werden, damit sie möglichst dicht sind. Trotzdem sollte regelmäßig unter den Netzen kontrolliert werden, ob sich nicht doch schon über Eier auf den Jungpflanzen Raupen eingeschlichen haben. Die Raupen müssen dann abgesammelt werden.

Ernte

  • Grünkohl kann ab Anfang Oktober bis ins Frühjahr hinein geerntet werden. Die vorherrschende Annahme ist, dass er erst nach dem ersten Frost so richtig gut schmeckt. Neuere Forschungen haben allerdings gezeigt, dass eine längere Kälteperiode mit Temperaturen unter 7 °C wichtiger ist als Frost, da diese das Wachstum und dadurch den Abbau von Zucker in den Blättern verlangsamt, während gleichzeitig neue Zuckerstoffe gebildet werden. Das Aroma verbessert sich so zusehends, je länger die Kälteperiode andauert.
  • Geerntet werden die einzelnen Blätter nach Bedarf von unten nach oben.
  • Den Grünkohl am besten gleich frisch zubereiten. Dazu gut waschen, Stängel und Mittelgerippe entfernen und in Salzwasser blanchieren oder im Dampf dünsten. Junge Blätter können auch roh im Salat oder Smoothie verspeist werden. Im Kühlschrank bleibt Grünkohl nur wenige Tage frisch.

Sortenempfehlungen

Für den Anbau im Hausgarten eignet sich die mittelhohe Sorte Lerchenzungen. Diese Norddeutsche Spezialität hat feingekrauste, schmale, etwas hängende Blätter und ist besonders lecker.



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