Tipps zur erfolgreichen Jungpflanzenanzucht Teil 2 - das Pikieren

14.03.2023Rund ums Gärtnern

Nachdem die Samen in der Anzuchtschale aufgegangen sind und sich die Pflänzchen einige Tage entwickeln konnten, wird es in den Aussaatschalen schnell eng. Dann ist es Zeit für den ersten Umzug, dem sogenannten Pikieren. Der Begriff „Pikieren“ stammt aus dem Französischen und bedeutet „Stechen“. In der Jungpflanzenanzucht beschreibt das Pikieren das Umsetzen der Sämlinge mit Hilfe eines Stabs in einen größeren Abstand voneinander oder in einen eigenen Topf.

Der Keimling sollte spätestens dann pikieren werden, sobald sich die ersten zwei bis drei Laubblätter nach den Keimblättern zeigen, also immer so früh wie möglich. Sind die Pflänzchen schon größer, lassen sie sich zwar leichter handhaben, allerdings sind die Wurzeln dann auch schon weiter verzweigt und möglicherweise bereits mit denen der Nachbarpflänzchen verschlungen. Dann kommt es beim Pikieren schnell zu Verletzungen. Kulturen mit sehr empfindlichen Wurzeln wie alle Kürbisgewächse werden nicht pikiert, sondern besser direkt in einen größeren Topf gesät.

Außer den Pflanzen Platz zu verschaffen dient das Pikieren auch dazu, kleine, schwache oder defekte Pflanzen auszusortieren. Lassen Sie ausschließlich gesunde und kräftige Keimlinge weiterwachsen. Bereits in dieser frühen Entwicklungsphase lässt sich leicht erkennen, welche der Pflanzen die besten Chancen auf ein gutes Wachstum haben. Hier bewährt sich nun der Tipp aus unserem Artikel zur Aussaat, immer ein wenig mehr Samen auszusäen als gebraucht werden.

 

Vorgehen

  • Die meisten Pflanzen können etwa 7 bis 10 Tage nach dem Keimen in einzelne und größere Töpfe pikiert werden. Die Größe der Töpfe richtet sich danach, wie lange die Jungpflanzen brauchen, bis sie in den Garten gepflanzt werden. Nährstoffhungrige Fruchtgemüsearten brauchen meist länger, daher gleich größere Töpfe wählen (z. B. 13 cm-Durchmesser) oder später noch mal umtopfen, damit die Pflanzen ausreichend versorgt sind und genügend Raum zum Wurzeln zur Verfügung haben.
  • Zur Vorbereitung die neuen Pflanzgefäße mit Erde füllen und gut andrücken. Verwenden Sie eine nährstoffreiche Pflanzerde, am besten eine torffreie Bioerde.  
  • Jetzt ist eine ruhige Hand erforderlich: Die Wurzeln werden mit einem Stöckchen, Stift oder besser mit einem Pikierstab gelockert und die Pflänzchen vorsichtig einzeln oder büschelweise (z. B. Kräuter wie Petersilie oder Schnittlauch) aus der Erde gelöst.
  • Die Pflänzchen nicht am Stiel, sondern besser an den Laubblättern fassen, da der zarte Stiel die empfindlichste Stelle des Keimlings ist.
  • Die Wurzeln werden mit dem Fingernagel etwa um ein Drittel gekürzt. Das erleichtert das Einsetzen und regt das Wurzelwachstum an.
  • Nun ein ausreichend tiefes und großes Loch in die Erde im Topf bohren und die Pflänzchen so hineinversenken, dass die Wurzeln nach unten zeigen und nicht umgebogen werden.
  • Wie hoch oder tief pikiert wird hängt von der Kulturart ab: Salat, Fenchel und Knollensellerie dürfen nicht zu tief in die Erde, während alle Pflanzen, die am Stil noch Wurzeln bilden können, wie Tomaten und Paprika, tiefer gesetzt werden.    
  • Schließlich die Erde rund um die Pflanzen gut andrücken und vorsichtig mit lauwarmem Wasser angießen.
  • Die Pflanzen sind nun erst mal sehr empfindlich und sollten daher nicht der prallen Sonne ausgesetzt werden. Am besten 2-3 Tage schattieren.

 

Haben sich die Pflanzen von ihrem Umzug erholt, sollten sie ein paar Grad kühler stehen, jedoch weiterhin so hell wie möglich.

 

Tipps für eine erfolgreiche Aussaat zur Voranzucht finden Sie in unserem Blogartikel zu diesem Thema.



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3 Kommentar

03.04.2023 | Franziska
- Antwort an Frau Roth -

Guten Tag Frau Roth, Tulsi (bei uns Heiliges Basilikum) wird meist im Büschel pikiert, wie anderes Basilikum auch. Es kann im Topf und im Freiland kultiviert werden. Allerdings ist es sehr wärmebedürftig und sollte daher erst nach den Eisheiligen nach draußen.

31.03.2023 | Antonie Roth
- Frau -

Müssen Tulsi einzeln pikiert werden oder büschelweise? Pflanzt man sie besser in einen Topf oder ins Freiland.

Danke für eine Antwort.

23.03.2023 | Stephanie
- Vielen Dank für die Tipps! -

Liebes Hausgarten-Team, vielen Dank für den tollen Beitrag. Ich mache mich am Wochenende erstmalig ans Pikieren. Ich fände Beiträge über das Jäten von Beikraut und über Düngung noch toll! Liebe Grüße