Kartoffel – ein vielfältiger Klassiker

21.11.2025Pflanzensteckbriefe

Ursprünglich aus Südamerika stammend, hat die Kartoffel seit dem 16. Jh. in Europa eine Erfolgsgeschichte geschrieben. Heute ist sie nicht nur Grundnahrungsmittel, sondern auch Symbol für Sortenvielfalt und gärtnerische Tradition. Von frühen, festkochenden bis zu späten, mehligen Sorten bietet sie für jeden Geschmack und Boden das Passende. Kartoffeln gehören, wie Tomaten und Auberginen, zu den Nachtschattengewächsen (Solanaceae).

Kartoffeln vorkeimen

  • Etwa vier Wochen vor dem Pflanztermin empfiehlt sich das Vorkeimen der Pflanzkartoffeln. Durch das Antreiben der Knollen wird ein Vegetationsvorsprung erzielt, der die Pflanzen widerstandsfähiger gegenüber der Krautfäule macht. 
  • Zum Vorkeimen brauchen die Knollen einen hellen Kühlen Ort (ca. 10-15 °C) etwa auf einer hellen Fensterbank oder im Gewächshaus. So bilden die Knollen kräftige, grüne Keime, die beim Pflanzen nicht so leicht abbrechen.
  • Größere Kartoffeln können vor dem Keimen geteilt werden. Dabei sollte die Schnittfläche bei etwa 10 °C einige Tage abtrocknen, damit sie verkorkt und vor Fäulnis geschützt ist.

Kartoffeln ins Beet pflanzen

  • Am besten gedeihen Kartoffeln in sonniger Lage auf lockeren, sandigen bis sandig-lehmigen Böden. Wichtig ist eine gute Wasserführung: Der Boden sollte Feuchtigkeit speichern, aber keine Staunässe bilden. Torfige Böden sind geeignet, wenn das Wasser gut abfließen kann. 
  • Kartoffeln können ab Ende März bis Anfang Mai gepflanzt werden.
  • Der Boden sollte zu diesem Zeitpunkt abgetrocknet, locker und ausreichend warm sein – mindestens 7 °C für vorgekeimte und 10 °C für nicht vorgekeimte Knollen. 
  • Gepflanzt wird mit dem Keim nach oben in eine Tiefe von etwa 7 cm. Als Faustregel gilt: Die Pflanztiefe entspricht der Knollengröße.
  • Zwischen den Pflanzen empfiehlt sich ein Abstand von 25 bis 40 cm, zwischen den Reihen 60 bis 75 cm.

Tipp

Eine Abdeckung mit Vlies hilft, die Kultur zu verfrühen und die Ernte etwas zu beschleunigen.

Fruchtfolge und Mischkultur für Kartoffeln

  • Kartoffeln sollten frühestens nach vier Jahren wieder auf demselben Beet angebaut werden, um Krankheiten vorzubeugen.
  • Keine geeigneten Vorkulturen sind andere Nachtschattengewächse wie Tomaten oder Auberginen
  • Gute Vorfrüchte sind hingegen Hülsenfrüchte, die den Boden durch ihre Stickstofffixierung anreichern, sowie Gründüngungspflanzen, die die Bodenstruktur lockern.
  • Eine direkte Nachbarschaft zu Tomaten sollte vermieden werden, da die beiden Nachtschattengewächse anfällig für dieselben Krankheiten, insbesondere der Krautfäule, sind.

Kulturführung der Kartoffeln

  • Kartoffeln sind Mittel- bis Starkzehrer und benötigen einen nährstoffreichen, humosen Boden. Eine Überdüngung sollte jedoch vermieden werden, da sie die Krankheitsanfälligkeit erhöhen und Lagerfähigkeit der Knollen beeinträchtigen kann.
  • Es ist sinnvoll, im zeitigen Frühjahr gut verrotteten Kompost oder Stallmist in den Boden einzuarbeiten. Eine Kalkung ist nicht nötig, da Kartoffeln leicht saure Böden bevorzugen.
  • Während des Wachstums werden die Pflanzen mehrfach angehäufelt. Dadurch werden die sich bildenden Knollen vor Licht geschützt und das Unkraut unterdrückt. Gleichzeitig fördert das Häufeln die Knollenbildung und damit den Ertrag.
  • Eine gleichmäßige Wasserversorgung ist besonders zur Blütezeit wichtig. In dieser Phase entscheidet sich die Knollenbildung, und Trockenheit kann zu Ertragseinbußen führen. Auf leichten Böden oder bei längerer Trockenheit sollte regelmäßig gegossen werden.
  • Zur Bodenverbesserung kann vor der Kartoffelkultur eine Gründüngung mit Leguminosen wie Klee, Wicken oder Lupinen ausgesät werden. Sie reichern den Boden mit Stickstoff an, lockern ihn tiefgründig und fördern ein aktives Bodenleben.

Kartoffeln in Töpfe kultivieren

  • Ist kein Platz im Beet oder sogar vielleicht nur ein Balkon zur Verfügung, muss auf die Kartoffelernte nicht verzichtet werden. Kartoffeln lassen sich auch gut in Pflanzgefäßen wie Töpfen, Kübeln, Pflanzsäcken, Holzkisten oder Fässer anbauen.
  • Die Größe des Gefäßes ist von der Menge der Kartoffeln abhängig. Pro Pflanzkartoffel rechnet man etwa 10 Liter Erde. 
  • Unbedingt Löcher im Boden für den Wasserablauf einplanen, um Staunässe zu vermeiden, und am besten eine Drainageschicht aus z.B. Kies mit einarbeiten.
  • Den Topf zunächst nur halb mit einer nährstoffreichen Pflanzerde füllen und eine vorgekeimte Knolle einsetzen. Wenn das Laub etwa 15 cm hoch ist, nach und nach Erde auffüllen – das ersetzt das Häufeln im Beet. Damit die oberen Knollen nicht grün werden, kann zum Schluss zusätzlich gemulcht werden. 
  • Kartoffeln im Topf benötigen viel Wasser und Nährstoffe. Die Erde sollte nie austrocknen und im Laufe der Wachstumsperiode immer mal wieder mit einem organischen Dünger wie z.B. Brennnesseljauche nachgedüngt werden. 

Häufige Probleme und Lösungsansätze beim Kartoffelanbau

  • Überdüngung sollte vermieden werden, da sie zu weichem Pflanzengewebe führt und damit die Krankheitsanfälligkeit erhöht.
  • In Böden, die zuvor als Wiese oder Getreidefläche genutzt wurden, kann es vermehrt zu Drahtwurmbefall kommen. Der Schaden zeigt sich an Fraßgängen in den Knollen. Abhilfe schaffen regelmäßige Bodenlockerung, der Anbau von Gründüngung oder eine längere Fruchtfolgepause.
  • Die bekannteste und gefährlichste Krankheit der Kartoffel ist die Krautfäule (Phytophthora infestans). Sie tritt vor allem bei feuchter Witterung und gegen Ende der Vegetationszeit auf. Erste Anzeichen sind braune Flecken auf den Blättern, die sich rasch ausbreiten. Eine wirksame Vorbeugung besteht im Vorkeimen der Knollen, dem Einhalten ausreichender Pflanzabstände und einem luftigen Standort, damit die Blätter nach Regen schnell abtrocknen können. Biologische Präparate zur Stärkung der Pflanzen sind nur begrenzt wirksam, daher ist eine angepasste Kulturführung die beste Schutzmaßnahme.
  • Weitere Schaderreger wie der Kartoffelkäfer treten vor allem in warmen, trockenen Sommern auf. Hier hilft das regelmäßige Absammeln der Käfer und Larven sowie das Stärken der Pflanzen mit Schachtelhalm- oder Brennnesseljauche.
  • Selbstverständlich lassen sich Pflanzkartoffeln auch aus dem eigenen Anbau gewinnen. Dazu werden im Herbst bei der Ernte ein paar schöne und gesunde Knollen ausgewählt und bis zur Pflanzzeit im Frühjahr eingelagert.
    Ein bekanntes Problem beim mehrjährigen Anbau aus eigenem Pflanzgut sind jedoch Viruskrankheiten. Sie schwächen die Pflanzen und vermindern den Ertrag. Da die Viren in die Knollen einwandern, lassen sie sich nicht zuverlässig verhindern und werden mit den Pflanzkartoffeln in den nächsten Anbau übertragen. Um Ertragseinbußen vorzubeugen, empfehlen wir daher, spätestens alle zwei Jahre neues, zertifiziertes Pflanzgut zukaufen.

Kartoffeln ernten und lagern

  • Die Erntezeit hängt von der Sorte ab. Frühkartoffeln wie Annabelle können etwa drei Monate nach dem Pflanzen geerntet werden, sobald die Pflanzen zu welken beginnen. Lagerkartoffeln wie Laura bleiben bis zur vollständigen Abreife im Boden; ein sicheres Zeichen dafür ist abgestorbenes Laub.
  • Geerntet wird am besten an einem trockenen Tag. Mit einer Grabgabel lassen sich die Knollen vorsichtig aus der Erde heben, um Verletzungen zu vermeiden. Beschädigte oder angefressene Kartoffeln sollten gleich aussortiert und zügig verbraucht werden.
  • Nach der Ernte die Knollen zunächst einige Stunden abtrocknen lassen, bevor sie eingelagert werden. Zum Lagern eignen sich nur unverletzte, vollständig ausgereifte Kartoffeln. Ideal ist ein dunkler, kühler (4–8 °C) und luftiger Keller mit hoher Luftfeuchtigkeit. Zu niedrige Temperaturen unter 4 °C führen zur Umwandlung von Stärke in Zucker – die Knollen schmecken dann süß.
  • Kartoffeln sollten stets dunkel gelagert werden, da Licht den Stoff Solanin entstehen lässt, der sich an grünen Stellen zeigt und giftig ist. Diese Stellen sind großzügig auszuschneiden oder die betroffenen Knollen zu entsorgen.

Tipp

Wer keinen kühlen Keller hat, kann Kartoffeln auch in einer Holzkiste oder einem Leinensack an einem dunklen, unbeheizten Ort aufbewahren. Wichtig ist, dass sie luftig liegen und nicht zu warm stehen – so bleiben sie mehrere Wochen frisch, ohne auszutreiben.

Sortenempfehlungen Kartoffeln für den Hobbygarten

In unserem Shop bieten wir ausgewählte Pflanzkartoffeln an. Die drei Sorten gibt es auch als praktisches Bundle Pflanzkartoffeltrio.  

Heiderot

Die mittelspäte, festkochende Kartoffel überzeugt mit ihrem intensiv rotem Fleisch und aromatisch-buttrigem Geschmack.

Zur Sorte Heiderot

Annabelle

Annabelle ist eine sehr frühreife, festkochende Kartoffel mit zarten, aromatischen Knollen.

Zur Sorte Annabelle

Laura

Die rotschalige Kartoffel ist festkochend, ertragreich und hat einen sehr aromatischen Gechmack.

Zur Sorte Laura

Bildquellen: www.oekolandbau.de / Copyright BLE / Fotos: Nina Weiler, Körver