Erbsen – unkompliziert und gesund

09.03.2022Pflanzensteckbriefe

Erbsen haben eine sehr lange Kultivierungsgeschichte in unseren Breiten. Da sie sich gut trocknen lassen und daher auch über den Winter als wertvoller Nährstofflieferant zur Verfügung stehen, waren sie schon für die ältesten Ackerbäuer:innen in Mitteleuropa ein Grundnahrungsmittel. Auch heute sind sie ein beliebtes Gartengemüse, da sie bestens an unsere kühle Frühlingswitterung angepasst und unkompliziert anzubauen sind. Außerdem sind Erbsen ein gesundes, leckeres Gemüse, das frisch selten in der Gemüseabteilung zu finden ist. Man unterscheidet drei Arten von Erbsen anhand ihrer Eigenschaften und ihrer entsprechenden Verwendungsmöglichkeiten:

 

  • Erbsen, die wir in tiefgekühlt oder in der Dose aus dem Supermarkt kennen, sind Markerbsen. Sie haben einen relativ hohen Zuckeranteil (6-9 %) und schmecken jung geerntet am besten. Kurz vor der Samenreife wandelt sich der Zucker in Stärke um, dann werden die Körner mehlig und sie sind nicht mehr so schmackhaft. Markerbsen sind für den Frischverzehr gedacht und eignen sich bestens zum Einfrieren. Getrocknet sehen sie runzelig aus und werden auch beim Kochen nicht mehr weich.
  • Schalerbsen, auch Trockenerbsen genannt, erkennt man hingegen daran, dass sie auch getrocknet glatt bleiben. Durch ihren hohen Stärkeanteil wird die Erbse während der Reifung mehlig, kann aber in Wasser gekocht zur Verwendung in Suppen oder Erbsenmus wieder weich werden.
  • Zuckererbsen, auch Zuckerschoten oder Kaiserschoten genannt, werden zusammen mit der Hülse roh oder gedünstet verzehrt. Dies ist möglich, da sie keine harte Pergamentschicht in der Mitte der Hülse ausbilden, wie es bei Mark- und Schalerbsen der Fall ist. Sie enthalten reichlich Zucker, aber auch viele Vitamine und Mineralstoffe. Zuckererbsen eignen sich ebenfalls zum Einfrieren.

Aussaat

  • Schal- und Zuckererbsen können ab Anfang März, Markerbsen ab Anfang April direkt ins Beet gesät werden.
  • Dafür wird, zum Beispiel mit einer kleinen Schaufel, eine 3-5 cm tiefe Rille gezogen. Die Erbsen werden in einem Abstand von 3 cm einzeln hineingelegt. Anschließend wird die Rille wieder zugeschoben und die Erde leicht angedrückt.
  • Je nachdem, ob die Erbsen eine Rankhilfe brauchen und welches Hilfsmittel dafür angedacht ist, sollten die Abstände der Erbsenreihen geplant werden. Zwischen Einzelreihen sollten 30-45 cm Platz gelassen werden. Bei Doppelreihen rechts und links einer Rankhilfe sollte für den Weg dazwischen 60-80 cm Abstand gehalten werden.
  • Erbsen stellen sehr geringe Ansprüche und gedeihen auch auf kargem Boden sehr gut. Am besten eignet sich lockere, feinkrümlige und humusreiche Erde. Eine Düngung vor der Aussaat ist nicht nötig. Damit die Erbsen gleichmäßig quellen und keimen, ist es wichtig, dass der Boden gleichmäßig feucht ist.  
  • Je nach Witterung brauchen Erbsen ca. 10 Tage bis zur Keimung. Je wärmer der Boden ist, umso rascher keimen sie. Trotzdem sollten Erbsen so früh wie möglich gesät werden, damit sie Mitte Mai, wenn durch die langen Tage die Blütenbildung angeregt wird, kräftig gewachsen sind. Dann setzen sie mehr Blüten und somit später auch mehr Hülsen an. Bei Temperaturen von über 30 °C geht die Blütenbildung zurück oder setzt ganz aus.  

Tipp

Nach 14 Tagen oder wenn die Pflänzchen ca. 10 cm groß sind, kann die Erde um den Stängel herum leicht angehäufelt werden. Dann bilden sich zusätzliche Wurzeln, die die Standfestigkeit der Pflanze erhöhen.

Fruchtfolge und Mischkultur

  • Erbsen sollten nur alle 5-6 Jahre auf demselben Beet angebaut werden, um den Befall mit Schädlingen und Krankheiten vorzubeugen. Schlechte Vorfrüchte für Erbsen sind andere Leguminosen, wie zum Beispiel Bohnen oder Wicken.
  • Weil Erbsen über Knöllchenbakterien, die an ihren tiefreichenden Wurzeln leben, Stickstoff aus der Luft binden und damit sich und den Boden versorgen, sind sie sehr gute Vorfrüchte für Starkzehrer wie zum Beispiel Grünkohl, Rosenkohl oder Steckrüben. Die Wurzeln der Erbsenpflanzen sollten daher, nachdem die Pflanzen abgeerntet sind, im Boden belassen werden.
  • Die Mischkultur mit Ringelblumen kann einen Befall mit Erbsenwickler (siehe unten) vorbeugen. Ein historisch bedeutender Mischkulturpartner von Erbsen ist Getreide, zum Beispiel Gerste. Die Erbse kann die Getreidehalme als Stütze nutzen und liefert gleichzeitig Stickstoff als Nährstoff für das Getreide. 

Kulturführung

  • Ist das Beet, in dem die Erbsen angebaut werden, noch feucht vom Winter, ist in der Regel keine zusätzliche Bewässerung nötig, da Erbsen ein gutes und tiefes Wurzelsystem ausbilden. Da Trockenheit den Ertrag schmälern kann, sollte aber in trockenen Frühjahren ergänzend bewässert werden – nicht täglich, dafür aber durchdringend, sodass sich die Wurzeln nach unten hin ausbreiten. 
  • Sobald die Erbsen aufgegangen sind, sollte zwischen den Reihen gehackt und das Unkraut gejätet werden.
  • Wenn es anfangs noch sehr kalt ist, können die kleinen Erbsenpflänzchen zum Schutz mit Vlies abgedeckt werden. Einen Schutz vor Vögeln, die gerne die Jungpflanzen wegfressen, können blattlose Zweige bieten, die über das Beet gelegt werden. Diese sollten aber entfernt werden, sobald die Erbsen Ranken bilden. Dann können die Zweige als Rankhilfe in die Erde gesteckt werden.
  • Abhängig von der Sorte werden Erbsen zwischen 40 cm bis 2 m hoch. Niedrige Sorten, die etwa 40 cm groß werden, brauchen keine Rankhilfe. Für Sorten, die eine Höhe von bis zu 1 m erreichen, reicht es, Reiser (blattlose, verzweigte Äste von Büschen) zwischen die Reihen zu stecken oder Schnüre zu spannen. Höhere Sorten benötigen eine stabile Rankhilfe wie zum Beispiel einen Zaun aus Pflöcken und verzinktem Maschendraht. Dadurch bekommen die Pflanzen mehr Licht und setzen mehr Früchte an.  
  • Erbsen werden in der Regel nicht gedüngt, da sie sich durch die Symbiose mit Knöllchenbakterien selbst mit Stickstoff versorgen.  

Häufige Probleme und Lösungsansätze

  • Um Krankheiten und Schädlingen vorzubeugen, ist es bei Erbsen besonders wichtig, die empfohlenen Anbaupausen einzuhalten.
  • Ist es nach dem Säen noch lange kühl und nass, kann die Erbse Schwierigkeiten haben zu keimen und ist dann anfälliger für Pilz- und Bakterienkrankheiten. Staunässe und Luftmangel durch einen verkrusteten Boden können dies noch verstärken. Um dies zu vermeiden, sollte ein offenes, sonniges Beet gewählt, regelmäßig gehackt und nicht mit Stickstoff gedüngt werden.
  • Je nachdem, ob das Wetter kühl und nass oder warm und trocken ist, kann falscher oder echter Mehltau auftreten. Falscher Mehltau ist nur beim Befall von Jungpflanzen ertragsmindernd. Er tritt bei kühler, feuchter Witterung auf und zeigt sich durch gelbe Flecken auf der Blattoberseite und einem Sporenrasen auf der Blattunterseite. Dagegen hilft, die fünf-jährige Fruchtfolge einzuhalten. Echten Mehltau erkennt man an einem mehligen, weißen Belag auf der Blattoberseite. Er tritt meist erst im Spätsommer bei trockenem, warmem Wetter auf, sodass er keine großen Schäden verursacht.
  • Ein häufiger Schädling, der vor allem bei Schalerbsen auftritt, ist der Erbsenwickler, ein olivbrauner Schmetterling, der seine Eier an der Blattunterseite der Erbsenpflanzen ablegt. Seine Larven fressen sich in junge Hülsen hinein, fressen die Erbsenkörner und verschmutzen die Hülsen durch bräunlich krümeligen Kot. Befallene Hülsen platzen auf. Zur Vorbeugung wird eine frühe Aussaat, der Anbau auf windoffenen Lagen, regelmäßiges Hacken und die Einhaltung der Fruchtfolge empfohlen. Ringelblumen als Mischkulturpartner verschrecken den Erbsenwickler durch ihren Geruch.   

Ernte

  • Erbsen sind je nach Art und Sorte ca. 8 bis 10 Wochen nach der Aussaat über einen Zeitraum von 3 bis 4 Wochen erntereif. Sie sollten rechtzeitig geerntet werden, da sie sonst zäh oder mehlig werden. Bei regelmäßiger Ernte alle zwei bis drei Tage bilden sich immer wieder neue Blüten.
  • Die Markerbse wird geerntet, wenn die Körner die volle Größe in der Hülse erreicht haben, grün und kugelrund sind. Bei manchen Sorten bedeutet dies, dass die Hülsen dick und prall sind. Am besten tastet man sich an den Erntezeitpunkt heran. Nachdem die Körner aus den Hülsen gepult wurden, werden sie frisch verarbeitet oder eingefroren. In der Hülse können die Erbsen auch einige Tage im Kühlschrank gelagert werden.
  • Die Schoten der Zuckererbsen schmecken umso zarter, je jünger sie geerntet werden. Bei manchen Sorten, wie zum Beispiel Ambrosia, bilden auch Zuckererbsen große Körner aus, die sich aber im Unterschied zu Markerbsen deutlich in der Schote abzeichnen. Auch Zuckererbsen können einige Tage im Kühlschrank gelagert werden.
  • Schalerbsen sind erntereif, wenn die Hülle gut eingetrocknet ist und pergamentartig aussieht. Geerntete, ausgepulte Körner am besten noch einige Tage an der Luft nachtrocknen, bevor sie wie Getreide kühl und trocken gelagert werden.

Sortenempfehlungen

Für den Anbau im Hausgarten empfehlen wir folgende Sorten. Für alle drei Sorten ist eine Rankhilfe förderlich:

  • Markerbse Wunder von Kelvedon, eine eher niedrige Sorte (ca. 50-70 cm Wuchshöhe), die reich tragend und widerstandsfähig ist.
  • Zuckererbse Sweet Horizon, eine höhere Sorte mit 1 bis 1,2 m. Ihre Hülsen bleiben lange zart.
  • Schalerbse Blauwshokker mit hübschen dunkelvioletten Blüten und Hülsen, aber grünen Erbsen, die sehr ertragreich ist. Sie wird bis zu 1,80 m hoch.  

Tipp

Erbsen lassen sich leicht im eigenen Garten vermehren. Dazu werden ein paar wenige Hülsen zum Ausreifen an der Pflanze hängen gelassen und erst dann geerntet, wenn sie raschelnd trocken sind. Für den Samenbau sollten die Erbsen möglichst früh gesät werden, damit das Ausreifen der Samen in den Hochsommer fällt. Das Saatgut von Erbsen bleibt 4-5 Jahre keimfähig. 



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