Mulchen - uralt und doch aktuell

14.05.2021Rund ums Gärtnern

Nackte, unbedeckte Erde ist in den unberührten Ökosystemen dieser Erde nirgends zu finden. Denn dieser Zustand der Schutzlosigkeit ist für den Boden fast immer mit schwerwiegenden Folgen verbunden. Wind und Regen haben leichtes Spiel und tragen den wertvollen Boden Schicht für Schicht ab. Auch die Sonne kann ihren Teil dazu beitragen, dass offene Böden an Fruchtbarkeit verlieren, denn hier verdunstet selbst Wasser aus tiefen Schichten. Wasser- und Nährstoffmangel der Pflanzen sind die Folge und auch die Bodenorganismen arbeiten deutlich weniger.

Die Erde zudecken

Die Lösung für den Biogarten ist das Abdecken des Bodens mit organischem Material. Diese Technik hat eine jahrhundertealte Tradition und lässt sich in Europa bis in die Klostergärten des 8. Jahrhunderts zurückverfolgen. Vermutlich ist sie aber noch älter.

Die Mulchschicht schützt den Boden wirksam vor verschiedenen Witterungseinflüssen. Unter der Mulchdecke bleibt die Erde deutlich länger feucht und Temperaturschwankungen werden abgemildert.

Mit dem Ausbringen der schützenden Schicht sollte man jedoch warten, bis sich der Boden ordentlich erwärmt hat. Im Regelfall ist das bei uns Mitte Mai der Fall.

Auch Beikräuter werden durch diese natürliche Decke am Wachstum gehindert. So spart man sich einiges an Gartenarbeit, denn Hacken und Jäten gehören mit einer Mulchschicht im Garten weitgehend der Vergangenheit an. Einzig kräftige Wurzelbeikräuter wie Ampfer, Distel oder Löwenzahn treiben durch und müssen gejätet werden.

Ebenfalls sehr wichtig: Der Boden wird mit organischer Substanz angereichert, die durch die Mikroorganismen im Boden in Humus umgewandelt wird.

Tipp

Besonders lang stehende Kulturen wie Tomaten, Paprika, Gurken und Zucchini freuen sich über eine Mulchschicht.

Das Material

Geeignetes Mulchmaterial gibt es in der Regel im Garten im Überfluss. So lässt sich zum Beispiel mit angetrocknetem Rasenschnitt ganz hervorragend mulchen. Man verteilt ihn maximal 5-8 cm dick auf das Beet. Bei lehmigen und tonigen Böden, die Mulchdecke lieber etwas dünner (2-3 cm) lassen, bei lang anhaltendem Regen besteht die Gefahr, dass die untere Schicht zu faulen beginnt.

Anderes Mulchmaterial wäre zum Beispiel zerkleinerte Gartenbeikräuter (vor der Samenbildung!), grob zerkleinerte Brennnesseln, Beinwellblätter oder Gründüngungspflanzen, Laub oder Stroh. Beachtet werden sollte allerdings, dass besonders grobes Mulchmaterial wie Stroh beim Verrottungsprozess Stickstoff benötigt, dem Boden also auch Nährstoffe entziehen kann. Um dies auszugleichen, kann man das Stroh mit Rasenschnitt Hornspänen oder Kompost vermischen.

Das Material sollte möglichst frisch sein. Frischer Mulch wird auch viel schneller umgesetzt, d.h. dem Boden und damit der Pflanze wieder zugänglich gemacht.

Von einer richtig gemachten Mulchdecke findet sich im Herbst nicht mehr viel an Überresten und diese können bedenkenlos eingearbeitet werden.

Für den Winter lohnt sich die Abdeckung des Bodens ebenfalls. Dann kann die Schicht auch bis zu 10 cm dick sein und besteht zumeist aus Laub, Grünschnitt oder Ernteresten. So wird ein durchfrieren des Bodens verhindert und das Bodenleben kann weiterarbeiten. Im Frühjahr, nach dem Abräumen der stark geschrumpften Mulchschicht, kommt eine lockere und leicht zu bearbeitende Erde zum Vorschein.

Auch wenn es vielleicht etwas ungewohnt und unordentlich aussieht, die Vorteile des Mulchens für den Biogärtner sind unumstritten: weniger hacken, weniger jäten, weniger gießen und weniger düngen. Allerdings ist eine regelmäßige Kompostgabe neben dem Mulchen zur dauerhaften Bodenverbesserung weiterhin wichtig.

Tipp

Das Mulchen ist auch für die Balkongärtner eine feine Sache. Wer schon einmal Tomaten im Pflanzgefäß angebaut hat weiß, wie viel Wasser sie brauchen. Einmal gießen am Tag ist oft nicht ausreichend. Eine dünne Schicht aus Heu, frischen Blättern oder auch Zeitungspapier auf der Erde der Pflanzgefäße reduziert die Wasserabgabe über die Oberfläche auf ein Minimum. Gleichzeitig kann aber die Erde noch Wasser von oben aufnehmen.

 



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1 Kommentar

06.06.2021 | Ursula Lang

Hallo, mir hat eine Frau erzählt, dass sie Jahre lang im Garten keine Gelbe Rüben ernten konnte und seit 2 Jahren klappt es: sie klopft das Saatbeet nicht mehr fest wie es Mutter/Oma gemacht hat. Sie schwärmt von den tollen Gelbe Rüben.

Aßerdem wenn man Fenchel nach der Ernte abschneidet wachsen kleine Fenchel nach.