Saatgut selbst vermehren

17.05.2022Saatgut-Lexikon

Im eigenen Garten Saatgut selbst gewinnen – am besten aus den eigenen Lieblingssorten – das schafft noch mal eine besondere Verbindung zu den selbst gezogenen Pflanzen und ist gar nicht so kompliziert. Bis vor einigen Jahrzehnten war es üblich, die eigenen Gemüsesorten immer weiter zu vermehren. Sie gehörten praktisch zur Familie und wurden mit Haus, Hof und Garten weitervererbt und nicht selten über den Gartenzaun hinweg mit dem Nachbarn getauscht. Nach der aktuellen EU-Saatgutverordnung ist Hobbygärtner:innen das Tauschen, Verschenken und Wiederaussäen von samenfestem Saatgut auch heute noch erlaubt.

Die Vermehrung von Kulturpflanzen gelingt am besten mit samenfesten Sorten, die von Natur aus ihre sortentypischen Eigenschaften an ihre Nachkommen weitergeben. Für eine sortenreine Vermehrung gilt außerdem zu beachten, ob es sich um vorwiegende Selbst- oder Fremdbestäuber handelt, denn bei Letzteren besteht die Gefahr von Verkreuzungen, wenn mehrere Sorten im eigenen (oder auch Nachbars-)Garten angebaut werden. Weitere Informationen dazu finden Sie in unserem Blogartikel zu diesem Thema.

Vermehren Sie nur gesunde und kräftige Pflanzen. Der Salat, der vorzeitig schießt und zu Blühen anfängt, ist zum Beispiel weniger gut geeignet. Also am besten den dicksten und schönsten Kopf zur Saatguternte auf dem Beet stehen lassen, auch wenn es schwerfällt.

Einige Gemüsearten lassen sich besonders leicht für das nächste Jahr vermehren, z. B. Bohnen und Erbsen: Einfach ein paar Hülsen hängen lassen, bis sie pergamentartig vertrocknet sind und dann die harten Kerne zur Aussaat im nächsten Jahr ernten. Zur Gewinnung von Radieschen-Samen von jeder Reihe ein bis zwei Radieschen stehen und weiterwachsen lassen, bis sie zunächst Blütenstände und dann Samenkapseln bilden. Die Samen von Tomaten aus dem Fleisch lösen, mit Wasser abspülen und auf Küchenpapier trocknen lassen. Eine bebilderte Anleitung dafür finden Sie auf der Seite zu unserer #saatgutaktiv-Aktion. Auch Samen von vielen Sommerblumensorten wie Kornblume, Cosmea, Mohn oder Ringelblume sind einfach zu ernten. Am besten lässt man die Samenstände ganz an der Pflanze abreifen, bis sie durchgehend braun sind. Das Gleiche gilt im Kräutergarten z. B. für Schnittlauch, Dill oder Gewürzfenchel.

Die sichere Vermehrung von Kürbisgewächsen (z. B. Gurke, Melone, Kürbis und Zucchini) gestaltet sich schwieriger: Da sie in der Regel zu den Fremdbefruchtern gehören, sind Verkreuzungen mit anderen Sorten innerhalb derselben Kürbisart sehr wahrscheinlich. So können gewohnte Sorteneigenschaften rasch verschwinden und ungewollte Eigenschaften sich mit einkreuzen. Die drei bei uns typischen Kürbisarten, innerhalb derer eine Verkreuzung möglich ist, beschreiben wir im Pflanzensteckbrief zu Kürbissen

Einige Gemüsearten blühen erst im zweiten Anbaujahr, wie zum Beispiel Möhren, Zwiebeln, Sellerie und Rote Rübe. Zur Saatgutgewinnung müssen daher die sogenannten Samenträger überwintert werden. Dafür ist ein frostsicheres Winterquartier (Erdmiete, Keller oder Ähnliches) mit Temperaturen um 1 bis 5 °C nötig, was die Saatgutvermehrung dieser Gemüsearten aufwendig macht.

Im Sinne unserer Auffassung, dass Saatgutvermehrung Kulturaufgabe ist, möchten wir Sie ermuntern, es einfach mal auszuprobieren. Allen unter Ihnen, die richtig in die Samengärtnerei einsteigen möchten, können wir das Buch „Handbuch Samengärtnerei“ von Andrea Heistiger ans Herz legen. Es vermittelt wichtige Grundkenntnisse rund um das Thema und gibt für alle Gemüsesorten detaillierte Anleitungen.



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